WTF DES DATINGS

Vom schönen Online Dating geht es direkt weiter zu der nächsten zeitgemäßen, wenngleich weniger erfreulichen Thematik: dem WTF des Datings.

Dem Wörterbuch der Dating-Abgründe.

Dem Griff ins Klo.

Habt ihr schon mal ins Klo gegriffen? Wörtlich? Wirklich? Richtig rein?

Ich schon.

Als ich klein war, ist mir mal mein Ring, oder irgendetwas Ähnliches, mit einem leichten Plop in das nicht mehr Trinkqualität aufweisende Wasser gefallen. Ich weiß nicht mehr genau, was es war und ich habe die leise Vermutung, dass es nicht nur einmal passiert ist – mein Verdrängungsmechanismus an dieser Stelle jedoch glücklicherweise gute Arbeit leistet.

Jedenfalls handelte es sich bei dieser einen, etwas zu deutlichen Erinnerung um etwas, das mir in diesem Moment als wertvoll genug erschien, als dass ich die Ärmel hochkrempelte und – ok, reicht.

Keine Sorge, ich bin gleich durch mit dem Thema Klo. Nicht der beste Start, gebe ich zu, aber viel besser wird es ehrlicherweise thementechnisch heute eh nicht.

Wegklickrate: 100.

Nein, ehrlich. Denn schließlich geht es bei dem WTF des Datings nicht um Neologismen (ja, smartes Wort! Es bedeutet Wortneuschöpfung) wie Lovex (Love und Sex), Weddafter (Wedding mit Happily ever after) und Buttappy (Butterflies und Happy). Die Wörter gibt es natürlich allesamt nicht.

Braucht ja auch kein Mensch.

Mal ehrlich.

Hier geht es vielmehr um Ghosting, Mosting, Submarining, Cushioning, Benching und Co.

Doch lieber zurück zu Lovex?

Nix da.

Kommen wir noch einmal kurz zurück zum stillen Örtchen. Die Sache beim ins Klo greifen ist, dass sie meist nicht wörtlich, sondern sinnbildlich verwendet wird.

Ins Klo greifen bezüglich des im Nachhinein leider doch nicht so coolen Jobs. Ins Klo greifen bei der Auswahl eines Films. Ins Klo greifen mit der Wohnung direkt über der Dorfdisko (ok, Definitionssache). Ins Klo greifen bei der potentiellen Partnerwahl.

Das Ironische ist meines Erachtens nach allerdings die Tatsache, dass der tatsächliche Griff ins Klo um einiges wünschenswerter ist, als der Sprichwörtliche.

Als ich damals beispielsweise leicht verzweifelt vor dem wässrig-un-geilen Becken stand, schob ich meinen kleinen Kinderpulli hoch und versuchte all jenes auszublenden, was sonst den Weg in die Wasserpfütze fand. Ich hielt die Luft an und streckte mein kurzes Ärmchen voller Konzentration in die Schüssel. Fest umschlossen holte ich meinen Ring heraus.

Würg.

Waschen! Waschen! Waschen!

Bah!

Und dann?

War es vorbei.

Es gab somit nur einen kurzen sch*** Moment (sorry, aber der musste sein) und nach wenigen Sekunden war alles vorbei.

Ein euphorisch erfolgreiches, wenngleich extrem ekliges Gefühl.

Das Schlimmste war überstanden.

Bei einem sprichwörtlichen Griff ins Klo dauert der unangenehme Teil leider um einiges länger, als das kurze Herausfischen des verschollenen Gegenstandes – um einiges länger. Zudem gibt es keine Wahlmöglichkeit zwischen dem Herausholen versus Wegspülen.

Verletztes Ego. Gebrochenes Herz.

WTF des Datings. Klingt nach Schmerz.

Die einmalig-einladende Einleitung abrundend, geht es hierbei um den sprichwörtlichen Griff ins Klo.

Zunächst einmal zu der Frage: Was soll der ganze ghosting-mosting Schwachsinn überhaupt?

Gute Frage.

Meiner Meinung nach gibt es nur zwei potentielle Erklärungen hierfür:

Erstens: Es gab die Verhaltensweisen schon zu Zeiten unserer Ur-hoch-n-Großeltern, nur hat keiner diesen einen Stempel in Form eines Begriffes aufgedrückt.

Klatsch: Ghosting.

Gab es sicher nicht.

Was allerdings nicht bedeutet, dass es das Verhalten nicht gab. Es gab nur andere Ausreden, wie: Der Brief ist sicherlich unterwegs. Er denkt bestimmt unaufhörlich an mich. Das Kind ist sicher meins.

Jungfrau Maria.

Heutzutage hat alles und noch mehr einen Begriff. Auch unnötige Dinge. Wirklich unnötige Dinge, wie das japanische Wort für das Kaufen und Anhäufen von Büchern, ohne dass diese gelesen werden, beispielsweise.

Klatsch: Tsundoku.

So viel dazu.

Sprich: Wir versetzen alles mit einem Stempel in Form eines Begriffes und machen dadurch Verhaltensweisen um einiges greifbarer.

Oder Zweitens:

Der Überfluss an potentiellen Dates und neuen Möglichkeiten durch die Globalisierung, all die günstigen Reisemöglichkeiten, online Apps und Co. weisen dem anständigen Verhalten à la Ich muss nett zu Fritzchen sein, schließlich wohnt er im Dorf nebenan und seine Oma kennt michweniger Relevanz zu. Denn erstens ist Fritzchen nach seinem individuellen Travel-and-Work in Australien kleben geblieben und zweitens interessiert die Oma schon lange keinen mehr. Stattdessen reizt es die weniger lieben Menschen da draußen, die vielen Möglichkeiten des Verhaltensabgrundes im Rahmen der persönlichen Weiterentwicklung und Entdeckung eines Selbst vollends auszuschöpfen.

Wie? Angeschnallt und los geht’s:

Ghosting

Stellt Euch vor, ihr habt einen wundervollen Mann oder eine wundervolle Frau kennen gelernt. Ihr versteht Euch auf Anhieb gut, die Gespräche sind fließend, witzig und interessant und nach langer Zeit habt ihr mal wieder das Gefühl, dass er oder sie oder es Euch wirklich zu schätzen weiß und ihm oder ihr (oder es?) etwas an Euch liegt. (Er, sie, es, unklar – nervt doch. Bleiben wir einfach unkorrekter Weise bei er). Er macht Euch Komplimente, ist liebevoll und stellt Euch stolz, händchenhaltend, zufällig begegneten Bekannten auf der Straße vor. Er ist wundervoll im Bett, intelligent, charmant, witzig, großzügig, steht auf eigenen Beinen und entspricht auf so vielen Ebenen exakt dem Typ Mensch, den ihr gern für immer an Eurer Seite hättet. Ihr kriegt nicht genug voneinander, küsst Euch im Auto an einer Ampel bis es von hinten hupt und schmelzt bei jeder liebevoll-durchdachten Nachricht von ihm bereits beim Erscheinen seines Namens auf dem Handy-Bildschirm dahin. Ihr wart auf halben Weg (oder Ganzem: Mein Beileid!), Euch in die Person zu verlieben und plötzlich das:

Ihr hört von jetzt auf gleich nie wieder etwas von ihm.

Urplötzlich.

Ohne Grund.

Er schreibt Euch nicht zurück. Reagiert nicht auf Euren Anruf. Meldet sich nicht auf Eure Instagram- oder Facebook- Nachricht.

Nichts. Nada. Niente.

Kein Grund.

Keine Nachricht.

Kein – einfach gar nichts. So als existiere er nicht mehr.

Ohne Vorwarnung. Ohne Vorahnung. Einfach weg.

Herzlichen Glückwunsch: Ihr wurdet geghostet!

Autsch. Ihr habt richtig gelesen, denn darum geht es leider bei diesem modernen Dating Phänomen.

Man kann sich Ghosting durch die wörtliche Übersetzung von Ghost = Geist und Ghosting = das Adjektiv von Geist, sich also wie ein Geist verhalten, verschwinden, vorstellen.

Klingt ziemlich bescheiden? Exakt! Aber eben darum geht es.

Der etwas andere Griff ins Klo.

Ja, aber wer macht sowas denn bitte!? mögt ihr Euch instinktiv fragen? Personen ohne Empathie-Empfinden, die egoistisch und unreif sind und nicht genug Eierlein in der Hose (oder im Röckchen) haben. Sie wählen den Weg des geringsten Widerstandes.

Keine Begründung. Keine Diskussion. Keine Beleidigung. Kein eingeredetes schlechtes Gewissen. Keine Auseinandersetzung in irgendeiner Form. Ganz einfach.

Für viele Menschen scheint Ghosting der auserwählte Weg des geringsten Widerstandes zu sein. Und das gilt vor allem dann, wenn man die Person, vor der man urplötzlich verschwindender Weise abtaucht, nicht wiedersieht. Sprich: Keinen gemeinsamen Freundeskreis teilt, nicht den gleichen Arbeitgeber im LinkedIn Profil stehen hat, nicht im gleichen Fitnesscenter trainiert und auch nicht das Samstag vormittägliche Frühshoppen in derselben Stammlocation zeitgleich einläutet.

Das stabilste Fundament für Ghosting? Online Dating Apps oder zufällige Bekanntschaften.

Warum? Weil man in den meisten Fällen keines der zuvor genannten Gemeinsamkeiten teilt.

Und falls doch? Tja, dann ist blöd. Oder unangenehm. Oder beides.

Oder es wird à la Hey, lange nicht gesehen. Sorry, ich hatte echt viel Stress in letzter Zeit zurück gerudert.

Das richtige Ghosting funktioniert allerdings nur, wenn man sich tatsächlich nicht wiedersieht.

Puff. Weg.

Ohne Revival.

Love Bombing

Love Bombing. Welch interessante Kombination zweier so kontroverser, individuell-starker Wörter. Someone’s been creative here!

Applaus.

Nein, wirklich.

Denn bei diesem Dating Trend verblasst das erste Wort im Laufe der Zeit. Am Anfang der Liebelei wird man noch mit Zärtlichkeiten, Aufmerksamkeiten und Liebesbekundungen jeglicher Art überschüttet – also mit Liebe bombardiert. Doch plötzlich wechselt das Verhalten des Anderen von liebevoll-aufmerksam zu bestimmend-kontrollierend.

Zu Einnehmend. Kommandierend. Besitzergreifend. Respektlos. Verletzend.

Der zuvor liebevolle Partner, mit dem man soeben noch auf Wolke 7 schwebte, zerrt einen im nächsten Moment in die Tiefe. Er wird eifersüchtig, verbietet Euch indirekt, Euch mit Euren Freunden zu treffen oder manipuliert Euch anderweitig durch die Entziehung seiner gewohnten Aufmerksamkeit.

Mein Tipp an Euch? Sobald ihr den wahren (negativ, wie offensichtlich) Charakter des Anderen erkennt: Rennt!

Rennt. So schnell ihr könnt!

Mosting

Wäre dieses Wort zu egal welcher Zeit meiner Englischunterrichtskarriere im Vokalbeltest aufgetaucht, hätte ich mit absolut unerschütterlicher Sicherheit irgendeinen Schwachsinn wie Kompost-Herstellung oder Apfelwein-Brennung (von Most? – Offensichtlich keine Ahnung!) hingeschrieben und bei meinem Glück sogar einen Punkt Abzug aufgrund unnötigen Ratens erhalten.

Doch wenn man sich mit der tatsächlichen Bedeutung des Wortes Mosting (von most = das Meiste und Ghosing) beschäftigt, so hätte man sich noch über einen Punkt Abzug im Vokabeltest gefreut. Selbst eine 6 wäre hingegen einen wahren Freudensprung (im Most?) Wert.

Kommen wir nun zum Next Level Shit des Ghostings, wie meine liebe Freundin so schön sagen würde.

Mosting bezeichnet nämlich eine noch bitterere Art des Ghostings.

Gibt’s nicht! – Abwarten!

Bei der auserwählten Person (mein Beileid!) wird nämlich eine Mischung aus Love Bombing und Ghosting angewandt.

Das Ganze kann man sich ungefähr so vorstellen, wie das normale Ghosting, nur eben, dass der Person zusätzlich zu all der liebevollen Aufmerksamkeit wahre Liebe vorgespielt wird. Ein Ich liebe Dich nach wenigen Dates oder das detaillierte Ausmalen der gemeinsamen Zukunft à la Guck mal, so süß könnten unsere Kinder auch mal aussehen kommen gern mal vor.

Wohlgemerkt am Anfang. Nach nur wenigen Dates.

Und dann?

Puff.

Sonst wäre es schließlich keine Ghosting-Abwandlung, stimmt’s?

Also: Achtung!

Das Vorspielen der großen Liebe direkt am Anfang des Kennenlernens ist meist das erste Indiz dafür, dass irgendetwas nicht stimmt und man in kürzester Zeit gemostet wird (klingt doch wirklich etwas nach einer Mischung aus Most und Kompost, oder etwa nicht!?).

Das schauspielerische Talent des jeweils anderen sorgt auch dafür, dass man nicht auf die Idee kommt, dass es tatsächlich nur um Sex gehen könnte (was jedoch meist der Fall ist). Schließlich wirken die vielen Liebeleien und Komplimente tatsächlich so, als wäre der Partner Hals über Kopf in einen verliebt.

Seid also bitte vorsichtig, wenn jemand schon nach überraschend kurzer Zeit von tiefen Gefühlen spricht. Sobald ihr den leisesten Verdacht hegt: Finger weg.

Aber Kopf hoch, nicht jeder hat das Glück im Lotto zu gewinnen und nicht jeder hat das Pech, an so einen Vollpfosten zu geraten.

An all die Pechvögelein da draußen, die es dennoch erwischt hat: Köpfchen hoch. Der Liebeskummer und das angeknackste Ego werden auch wieder vorüberziehen (und wieder einmal spreche ich aus persönlicher Erfahrung).

Submarining

Submarining. Auch hier hat jemand eindeutig seiner Kreativität freie Fahrt gelassen.

Hätten die Beatles geahnt, für welches moderne Verhalten ihr halber Liedtitel einmal missbraucht werden würde, so hätten sie ihren Hit sicherlich nicht Yellow Submarine genannt.

Aber eins muss man sagen, das Wort passt.

Nicht der Lied-Titel. Der Dating Trend.

1A.

Es geht bei dieser charakterlichen Absurdität nämlich um das Abtauchen. Wie ein U-Boot – die Submarine.

Und was ist das Typische an einem U-Boot?

Richtig!

Es taucht wieder auf!

Hier hätten wir nun also die zweite Ghosting-Abwandlung (alternativ auch Zombie-ing genannt – wie passend). Zwar gibt es keine Liebesbekundungen wie beim Mosting (non, merci!), aber der Geist taucht wie sein Verhaltens-Namensvetter wieder auf.

Die Tatsache, die Ghosting für manch einen so attraktiv macht, ist, dass das charakterlose Individuum nach etwas verstrichener Zeit wieder ankommen und so tun kann, als ob nie etwas gewesen wäre. Denn: Es gab schließlich keine Auseinandersetzung, keinen Streit, keine beschuldigende WhatsApp-Unterhaltung und auch sonst nichts, was auf Disharmonie schließen könnte.

So wird gerne nach ein paar Monaten das Schlachtfeld nach Mienen vorangetastet. Nur leider nicht mit langatmigen, vor dem Spiegel einstudierten Entschuldigungen und roten Rosen auf einem weißen Ross.

Nope.

Stattdessen mit einem sich-keiner-Schuld-bewussten Hey oder Hey, was geht. Variationen reichen bis zu prägnanten zwei Buchstaben á la Na oder ganzen Sätzen wie Hey, wie geht’s? Lange nichts gehört.

Letzteres ist mein persönlicher Favorit mit einmaliger Sarkasmus-Würze versetzt.

Lange. Nichts. Gehört.

Auf Englisch würde ein schlichtes well nun als vollständige, augenverdrehende Reaktion einer alten Dame mit arrogantem Blick und einem Vanille-Zigarillo zwischen ihren spitz-gefeilten, rosa-lackierten Fingerspitzen, reichen.

Also gut.

Well.

Ich würde mich stark in der Menschheit täuschen, wenn sich nicht manch einer von Euch in diesem Moment selbst reflektiert und feststellt, dass ihr schon einmal ähnlich gehandelt habt. Ich für meinen Teil schon. Aber eben nur ähnlich. Denn es war keine Ghosting-Abwandlung (darin bin ich ja bei meinem lächerlichen Versuch glücklicherweise kläglich gescheitert), sondern eher ein Oh, den gab’s ja auch noch-Einfall mit risikolosen Kontaktversuch.

Ob nun aber echtes oder fake Submarining, eins steht fest: Die Person war aus irgendeinem Grund im Erstkontakt nicht überzeugend genug, denn sonst wäre das U-Boot schließlich direkt am sicheren Hafen geblieben und gar nicht erst abgetaucht. Ihr habt im ersten Moment also nicht ausreichend überzeugt.

Oder ich.

Oder wir alle.

Wer weiß.

Also macht Euch keine allzu großen Hoffnungen, wenn die Submarine mal wieder an die Oberfläche treibt, denn ihr könnt ihr dabei zusehen, wie sie ebenso schnell auch wieder abtaucht.

Ein kleiner irrelevanter Input am Rande: Wenn ihr Submarining googelt, erscheint in einer der bekanntesten Enzyklopädien ein Artikel über eine andere Verwendung des Wortes, das unter-dem-Anschnallgurt-Untertauchens während eines frontalen Crashs mit schwerwiegenden Beeinträchtigungen der inneren Organe.

Wer hätte gedacht, dass man sich im Hinblick auf den noch weniger schönen Vergleich tatsächlich über das Dating Fauxpas freut?

Wie heißt es doch so schön: Es geht um die kleinen Freuden im Leben.

Benching

Wartebank. Dedüm.

Als Benching, von bench = Bank, wird das Verfrachten eines Anwärters auf die Wartebank verstanden.

Automatisch muss ich an meinen kleinen Abreißzettel im Finanzamt kürzlich denken, auf dem vermerkt war, dass 30 Personen vorher an der Reihe sind. Doch ganz so einfach ist es im wahren Leben natürlich nicht.

Bei diesem Dating Trend geht es um das Hinhalten einer Person. Hinhalten im Sinne von – hinhalten, eben. Treffen verschieben, Verabredungen spontan absagen, ach so busy sein und leider keine Zeit für den Anderen haben.

Über Tage. Wochen. Monate.

Ja nee, ist klar.

Aber: warum?

Weil das Pling einer neuen Nachricht auf dem Handy von einer Person, die offensichtlich Interesse an einem hat, das Selbstwertgefühl stärkt. Weil man sich nicht entscheiden kann oder möchte. Weil man Bindungsängste hat. Weil die andere Person nicht ausreichend überzeugt hat, jedoch in gewisser Weise ganz nett ist. Weil der Bencher eventuell sogar in einer Beziehung ist und den Ego boost genießt. Weil der Person langweilig ist und sie sich des Schadens, den sie bei dem Empfänger der gelegentlichen Nachrichten anrichtet, nicht bewusst ist, bewusst werden möchte, oder diesen schlichtweg ignoriert.

Mein Tipp? Seid realistisch. Wenn ihr merkt, dass ihr auf die Wartebank verfrachtet wurdet, geht. Steht einfach auf und geht.

Easy.

Breadcrumbing

Diesen Begriff habe ich erst kürzlich zum ersten Mal gehört, konnte mich aber direkt damit identifizieren.

Zum einen, weil ich das Kinderbuch Hensel und Gretel nicht nur einmal verschlungen habe, aber eben auch, da ich selbst wie es scheint Breadcrumbing betreibe.

Aber Stopp, halt.

Denn auch hier muss klar differenziert werden.

Breadcrumbing hat leider nichts mit dem leckeren Nachtisch meiner Mutter zu tun, der ganz ähnlich kling (Applecrumble – naja ok, nicht wirklich ähnlich), sondern mit dem stückchenweisen Zuwerfen kleiner Happen zum an-der-Leine-halten des Anderen.

Wenn eine Person beispielsweise Interesse an einer Anderen hat, von dieser jedoch nicht die gewünschte Aufmerksamkeit erhält, so meldet sie sich gelegentlich bei einem potentiellen Verehrer, damit das beschädigte Ego wieder poliert wird.

Die Breadcrumbs (Brotkrümel) können beispielsweise WhatsApp Nachrichten, Bilder, das ein oder andere Treffen, der ein oder andere Kuss etc. sein – der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Mein Tipp? Wenn ihr merkt, dass der Andere kein wahres Interesse an Euch hat und Euch über längere Zeit hinhält – knickt ihn! Das Ganze kann über Jahre hinweg fortgeführt werden (been there, done that), einfach aufgrund der Tatsache, dass der Brotkrümel-Schmeißer keinerlei Gefühle entwickelt und nur Benefits aus der ganzen Aufmerksamkeit-bekommen-Story abkassiert. Bingo. Nur leider für Euch in dem Fall eher nicht.

Oder mich.

Oder uns alle.

Cushioning

Beim Cushioning geht es um emotionalen Betrug, bei dem sich eine Person bereits während des Kennenlernens oder innerhalb einer Beziehung jemand Neues als Back-Up Option sucht.

Emotionaler Betrug, da es sich hierbei nicht um körperliche Befriedigung, sondern emotionale Umorientierung handelt. Oft wird dieser Dating Trend praktiziert, damit im Falle einer Trennung (oder falls aus dem potentiellen Partner doch nichts Festes wird) direkt auf die nächste, bereits vorgewärmte Person zugegriffen werden kann.

Klingt mies?

Ist es auch.

Jedoch muss auch hier differenziert werden.

Manch einer praktiziert Cushioning beispielsweise unbewusst als Selbstschutz, um im Falle des unerwünschten Ausgangs des Kennenlernens, Ich habe heute leider keine Rose für Dich, nicht zu sehr verletzt zu werden, sondern weitere Optionen zur Auswahl oder zumindest zur Ablenkung parat zu haben (da wären wir wieder bei Benching und Breadcrumbing).

Manch ein Anderer hat hingegen zu viel Angst davor, alleine zu sein und sucht sich deshalb bereits während der Beziehung jemand Neues, der den tiefen Fall der eventuell eintretenden Trennung abfedern kann.

Glücklicherweise ist mir zumindest dieser eine Trend bisher erspart geblieben. Ich stelle es mir allerdings ziemlich schmerzhaft vor, wenn der einst geliebte Partner direkt nach der Trennung (im schlimmsten Fall im fließenden Übergang) in Love mit jemand Neues ist.

Habt somit bitte ein wenig Mitgefühl und Selbstachtung und verzichtet darauf.

Zudem: Single sein ist schön! Wirklich! Baut Euer Selbstwertgefühl auf, werdet Euch Eurer Empathie gegenüber dem Ex bewusst, schätzt die einst erlebten Glücksmomente und freut Euch auf die kommende Quality Time mit Euch selbst und Euren eventuell während der Beziehung zu kurz gekommenen Freunden.

Versucht es, das ist es wert.

Generell kann ich sagen,

dass ich in meiner bisherigen Single Karriere schon einiges gehört, gesehen, mitbekommen und eben auch selbst erlebt habe. Und wie mir immer mehr bewusst wird, auch selbst verübt habe.

Aber bevor ihr mich oder irgendwen anders von Anfang an für ihr oder sein Verhalten verurteilt, bedarf es ein wenig Empathie und situatives Einfühlungsvermögen. Schließlich sehen wir meist nur eine Seite der Medaille und wissen oftmals nicht, was sich hinter der Anderen verbirgt. Jeder hat sein Säckle zu tragen, heißt ein Sprichwort doch so schön.

Drum verurteilt nicht zu schnell, sondern macht Euch Gedanken um das Warum.

Differenzierung ist wichtig. Jede Situation ist trotz gleich-klingender Neologismen individuell.

Ich hoffe sehr, dass Euch keins der dargelegten Dating Trends widerfahren ist und falls dies der Fall ist, Eure Herzchen schnell darüber hinwegkommen.

Und mit ein wenig Schadenfreude könnt ihr bereits jetzt an dieses Motto denken, welches ich gerade passend zum Thema auf Instagram entdeckt habe: They start missing you, when they fail to replace you.

Und falls nicht?

Tja, dann sei froh, dass Du Deine Energie und Zuneigung anderweitig investierst.

Deine,
B.

Love & Dating

Startup & Co.

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