SCHATTENSEITE

Schattenseite.

Au.

Auch beim Online Dating.

War ja klar.

Willkommen zum heutigen Thema.

Enttäuschung.

Keine Sorge, zu meinen persönlichen Fail and Fairytale – Stories kommen wir auch schon noch. Versprochen.

Um das Thema der schizophren geliebten Dating Apps dennoch vorerst abzurunden, werden nun der Vollständigkeit halber auch die Schattenseiten dieser aufgedeckt. Denn: Egal, wie viele Vorteile die neuen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts inklusive all des technologischen Fortschritts auch mit sich bringen mögen, so sind es eben nicht ausschließlich Vorteile. Es gibt auch eine Kehrseite.

Eine Schattenseite.

Eine unpolierte Seite der Medaille.

Das absurd Ironische an dieser Kehrseite ist, dass ein jeder, der nicht nur den Weg in den App Store, sondern auch den tatsächlichen Download einer solchen Dating App mitsamt Profilerstellung meistert, auf der Suche nach Zuneigung, Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit, Anerkennung und Abenteuer ist.

Jeder.

Ausnahmslos.

Natürlich stellen sich die jeweiligen Bedürfnisse durch die individuell-gewichteten Beweggründe einzigartig zusammen. Ist ja klar. Bei jemandem mag beispielsweise das Bedürfnis nach körperlicher Nähe am Größten sein, bei wem anders überwiegt hingegen der gefühlsfokussierte Teil. Dennoch hat eben jeder auf seine eigene Art Wünsche und Bedürfnisse, die er auf positive Weise zu befriedigen sucht.

Auf eine positive Weise wohlbemerkt.

Ist es da nicht ironisch, dass oftmals genau das Gegenteil dessen eintritt? Dass nicht Liebe, Nettigkeiten, Schmeicheleien, Zuneigung, Zärtlichkeiten und eben all das, sondern vielmehr vermehrt Negatives verbreitet wird?

Plumpe und stumpfe Annäherungsversuche auf teils tatsächlich unwürdige Art (ich denke, es ist besser, hier keine Beispiele zu nennen – hallo Mama). Plötzliches Unmatching einer Person, mit der man bereits viel geschrieben hat (Hand hoch, sorry!). Beleidigungen (Hand unten). Respektlosigkeit. Nicht eingehaltene Verabredungen. Und und und?

Welch Ironie.

Ein jeder ist auf der Suche nach Zuneigung und erhält Abneigung.

Und verteilt Abneigung.

Aber, … why?

Willkommen beim heutigen Thema: Den Downsides des Online Datings.

Nur noch kurz vorweg: Ja, ich bin nach wie vor ein großer Fan der neuen Online-Möglichkeiten, jemanden quasi 24/7 bequem von zuhause aus kennen zu lernen, ohne die Bar-Szene oder alle Festivals dieser Welt inklusive genügend Ansprech-Mumm oder Kleingeld für Flüssig-Mut, mitzunehmen. Meiner persönlichen Meinung nach bieten sie eine wundervolle Add-On-Möglichkeit, jemanden kennen zu lernen.

Da wären wir direkt beim ersten Punkt.

Add-On.

Was so viel heißt, wie zusätzlich.

Zusätzlich zum wahren Leben. Dem echten Leben. Dem offline Leben.

Im Supermarkt (blödestes Beispiel, oder? Mich hat dort noch keiner angesprochen, außer vielleicht ein verwirrter, alter Mann auf der Suche nach der Käseabteilung). In einer Bar (nun wird es realistischer). In einem Café. Im Park. Auf der Straße (ja, kommt auch ab und an vor). In der Sauna (besser nicht). Im Sessel-Lift beim Ski-Fahren (bei meinem Ski-Look sicher nicht). Beim Wandern. Spazieren gehen. Abdancen auf einem Festival oder was-weiß-ich-wo.

Halt im echten Leben. Im offline Leben.

In 4D.

Nicht 4G.

4D.

Zusätzlich dazu, eben.

Die Sache ist nämlich die, dass viele Personen sich vollkommen auf die Apps verlassen und im wahren Leben nicht mehr offen oder interessiert oder gar motiviert genug sind, die Augen offen zu halten und jemanden über den natürlichen Weg kennen zu lernen.

Augen offen halten selbstredend nicht im Sinne des 70 Grad abwärts gehaltenen Blickes in Richtung greller Schrift des mobilen Endgerätes. Bestenfalls mit tippender Handbewegung, die Wie soll ich denn auch jemanden kennenlernen!? rasend ins Handy hämmert, während sich die ziemlich attraktive und offensichtlich interessierte Brünette am Vorbeigehen-und-sich-Umdrehens durch die Haare fährt ohne beachtet zu werden.

Tja. Blöd. Wie nur?

Aber so oder so, viele halten die Augen im sprichwörtlichen Sinne eben nicht offen.

Warum?

Na warum denn auch?

Wisch, wisch. Yes, nope.

Easy.

Zumindest um einiges leichter, als den Mut aufzubringen, jemanden anzusprechen nur um dann herauszufinden, dass die Person entweder kein Interesse oder gar einen Beziehungsstatus hat, der mehr als eine Person inkludiert.

Kleiner Joke am Rande: Man kann auch indirekt einen Korb bekommen, wenn man nicht einmal die Intention hatte, jemanden kennenzulernen (liebstes Beispiel von Jodel siehe Bild – exakt mein Humor).

 

Oder nicht?

Einerseits stimmt es natürlich. Andererseits ist eine Bekanntschaft im echten Leben, in 4D, eben anders. Fundierter. Irgendwie schöner. Und romantischer. Vielleicht. Nicht immer. Aber dennoch. Nicht? Und selbst wenn ihr anderer Meinung seid, wäre es nicht dennoch schön, wenn diese Möglichkeit nicht von vornherein gänzlich abgetan werden würde?

Ist sie ja nicht denkt so manch einer von Euch.

Das stimmt. Nicht gänzlich. Dennoch um einiges weniger relevant als vor ein paar Jahren, als der gesamte Kennenlernprozess rein offline stattfand. Und diejenigen, die eine der vielen Dating Apps mal wieder gelöscht haben, sind schätzungsweise vorerst mit dem Thema Dating durch und halten folglich auch Offline nicht die Augen offen (persönliche Erfahrung – manchmal braucht man eben eine Pause).

Generell schätze ich drei Gründe als ausschlaggebend für das kaum vorhandene Add On und überwiegende Only Online:

1.

Dating Apps sind eine so einfache Art und Weise, jemanden kennen zu lernen. Sooo einfach. Zu einfach, eigentlich.

2.

Witziger Weise denkt jeder, dass alle Singles dieser Welt bei Tinder oder Bumble oder was-weiß-ich oder ab Mitte 30 bei Elite Partner oder Parship zu finden sind. Kein Scherz. Wenn man sich für jemanden interessiert, kann man also genauso gut online schauen und abwarten, bis das gegenseitige Interesse in Form eines Matches bestätigt wird. Bonus: Das unnötige Risiko einer nicht ganz unwahrscheinlichen Abfuhr wird smart umgangen. Und falls man die Person online nicht findet – tja, dann war sie wohl vergeben.

Und 3.

Generell gedacht gibt es zudem fast keine Abfuhr. Fast keinen Korb. Schließlich ist gegenseitiges Interesse in Form eines Likes der Grundstein der möglicherweise darauffolgenden Unterhaltung. Oder etwa nicht? Und falls man aus unerklärlichen Gründen dennoch einen Korb kassieren sollte, so bekommt es immerhin keiner mit. Außer vielleicht der neugierige Mann hinter einem in der Schlange des Supermarktes. Aber was soll’s. Den kennt ja eh keiner. Zumindest ist es kein öffentlicher Korb. Im Supermarkt. Oder in einer Bar. Nur online. In den unergründlichen Tiefen des mobilen Endgerätes.

Warum sollte man somit das Risiko des 4D-Kennenlernens eingehen, wenn man easy von zuhause aus gefühlt jeden Single dieser Stadt und ohne öffentliche Blamage kennenlernen kann? Na eben. Drum wird für viele der Add-On-Aspekt des Online Datings durch Only Online ersetzt.

Aber noch einmal zurück zum Thema Abfuhr. Der

Korb.

Oder Körbe.

Keine Körbchen.

Körbe.

Plural. Mehrzahl. Oft.

Outch.

Das Ironische ist, dass sich viele mit der Intention der Korb-Meidung in die Online-Sphäre des Datings begeben. Klar, auch weil es online einfach einfach ist und viele andere Vorteile mit sich bringt. Aber eben auch, um Körbe geschickt zu umgehen. Denn schließlich ist das generelle und speziell geäußerte Interesse bei den meisten Dating Apps Grundvoraussetzung für die gegenseitige Kontaktaufnahme. Anders, als es offline der Fall ist. Wie offensichtlich.

Heißt: Wenn mich jemand unattraktiv, hässlich, unsympathisch oder generell eher ungeil findet, so werde ich es höchstwahrscheinlich nicht erfahren, da er nicht in meiner Match-Schlange aufgeführt wird. Schließlich schaffen es nur all jene dorthin, die ich selbst und die auch mich gelikt haben. Klar kann es auch Ausnahmen geben, auf deren Match man vergeblich wartet und die man nicht so schnell vergessen kann – too hot. Aber für die haben wir selbstredend eine Menge an Ausreden parat: Er benutzt die App scheinbar nicht aktiv, wahrscheinlich war er nur kurz in der Stadt, ich wurde ihm garantiert noch nicht vorgeschlagen, er hat die App bestimmt schon wieder gelöscht, er hat mich nur nicht gesehen, vielleicht haben seine Freunde für ihn gespielt, vielleicht – endlos.

Is’ klar.

Ausreden über Ausreden.

Aber wenn nur gegenseitig interessierte Personen sich schreiben können, wie kommen denn dann Körbe zustande?

Ha.

Indirekt durch das Ignorieren des Matches. Durch das nicht-Anschreiben. Das nicht-Antworten, falls der jeweils andere geschrieben hat. Noch indirekter durch das keine-Frage-stellen und langsame ausklingen lassen der Unterhaltung. Durch das Unmatching direkt nachdem es der andere gesehen hat. Durch blöde Bemerkungen. Stumpfe Annäherungsversuche. Sex im ersten Satz. Sexpositionenim ersten Satz (leider wahr). Zu Sex-fokussierte Nachrichten an Personen, die auf der Suche nach der großen Liebe sind. Beleidigungen. Herablassende Äußerungen. Durch nett-sympathisches Schreiben über mehrere Stunden, Tage oder Wochen und dennoch plötzliches Abtauchen. Ghosting-Fundament. Toll. Durch das Absagen, Verschieben oder Aufheben eines geplanten Treffens. Durch No-Shows. Das Löschen des Accounts ohne sich zu verabschieden (egal, wie blöd es klingen mag, es ist dennoch ein plötzliches Abtauchen (been there, done that. Ohne Farewell.)). Durch die Verabredung zu einem Telefonat und statt des Anrufes das zeitgleiche Löschen des Matches. Plötzlich kein Interesse mehr. Blöd. Durch – seid kreativ!

Abertausende Möglichkeiten.

1001 Nacht.

Life is tough.

Manche Punkte der vorigen Variantenvielfalt mögen auf den ersten Blick lächerlich klingen. Sind sie irgendwie auch. Für Außenstehende. Unbeteiligte. Nicht aber für, beispielsweise, meinen einen Freund, der sich den ganzen Tag auf das Telefonat mit seinem sympathischen Match gefreut hat, mit dem er all day geschrieben hat, nur um nervös-wartend vor dem Telefon zu sitzen um dann zu realisieren, dass es keinen Anruf geben wird und auch das Match nicht mehr existierte. Blöd. Tatsächlich.

Ich möchte hier wirklich niemanden desillusionieren. Nicht im Geringsten. Nur ehrlich sein. Und vorbereiten. Und alle Seiten des Online Datings beleuchten. Helfen. Oder aufklären.

Egal.

Zieht Euch warm an!

Ja, aber…? fragt ihr Euch? Einer der Gründe hierfür ist die

Gleichgültigkeit.

Gleichgültigkeit? Exakt.

Denn: Warum um eine Person bemühen, wenn es noch endlos viele andere gibt?

Irgendwann hat mich mal ein junger Typ bei Tinder angeschrieben, 26 war er glaube ich (ja, ich stehe irgendwie auf Jüngere) und mich im Laufe der Unterhaltung gefragt, wie viele Matches ich bekomme (stumpfe Frage und ziemlich random). Seine Antwort auf die Gegenfrage: 825.

Achthundertfünfundzwanzig.

825.

Holy!

Würde man meine Reaktion in Emojis verpacken, würde diese mit einem gelben, dicken Gesicht mit Lachtränen anfangen und mit ebengleichen Gesicht ohne Tränen und dafür weit aufgerissenen Augen enden.

825.

Holy moly.

Freudentränen wegwischend schickte ich ebengleichen Emoji und realisierte nach kurzer Amüsiertheit gegenüber seines Match-Erfolgs, dass es bei mir nicht wirklich anders aussah.

Als ich damals noch in San Francisco lebte, erhielt ich eine Push-Benachrichtigung von Tinder, dass noch 222 neue Nachrichten auf mich warten würden.

222 unbeantwortete Nachrichten.

Da ich die meisten von ihnen bereits in den vorigen Wochen/Monaten beantwortet hatte, weiß ich nicht ganz, wie die App zu dieser Mitteilung kam. Es spiegelt aber unabhängig davon die Flut an potentiellen Möglichkeiten ziemlich gut wider.

Und was resultiert daraus?

Richtig.

Gleichgültigkeit.

Gleichgültigkeit gegenüber eines Jeden. Eines jeden Einzelnen.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass es zudem zunehmend um Selbstprofilierung geht. Wie viele Matches hast du? – Who cares? Wenn man aus 93859347583 keinen trifft, mit keinem eine anständige Unterhaltung zustande bringt und trotz sehnlichsten Wunsch noch immer Single ist: So what?

Applaus.

Eigentlich nicht.

Anyways.

Gleichgültigkeit.

Resultat? Dass man einer jeden Person weniger Bedeutung zuweist. Die Masse macht’s schließlich, oder etwa nicht? Wenn der ein oder andere mal nicht zurückschreibt: So what? Das Selbstwertgefühl wird schließlich von vielen anderen aufrechterhalten und massenhaft gestillt.

Bleiben ja noch 824. Oder 221. Oder bestenfalls mindestens einer.

Einer schreibt schließlich immer, stimmt’s?

Ja aber, was genau ist dann das Problem an der Gleichgültigkeit?

Na, dass man abstumpft. Und sich danebenbenimmt. Negativ natürlich.

Und zwar so richtig.

Aufgrund der überfordernden Anzahl potentieller Optionen?

Endloser Wahlmöglichkeiten?

Aus Selbstschutz?

Oder Erfahrungen?

Völlig egal.

Hinzu kommt oftmals Langeweile. Schon wieder eine gleich klingende Nachricht. Was ich so mache, wie es mir so geht, oder in San Francisco damals zumeist How’s it going?

Toll.

Die Antworten klingen selbstredend auch alle ähnlich. Klar, nicht bei allen und immer. Ist ja logisch. Aber eben oft. Und dann wird es langweilig.

Laaaangweilig.

Schreibt man zudem mit mehr Personen, als die Woche Tage oder der Kalender der nächsten Wochen freie Stellen hat, mischt sich die indirekt-natürliche Selektion schleichend mit ein.

Wer könnte es Wert sein?

Er nicht. Delete.

Oh, das Bild ist doch nicht so schön. Unmatch.

Der Witz war echt irgendwie unwitzig. Ciao.

Klingt herb? Ist es.

Fakt ist, dass viele ein Match nicht mehr als Individuum sehen. Als individuelle Person. Potentiellen Partner oder möglicherweise guten Freund. Eher als Nummer. Nicht eine, wie beim Finanzamt, auf die man sich fokussiert und beim Erscheinen auf den veralteten Displays freut. Nope. Eher als eine von vielen. Zu vielen. Eine leere Hülle, maximal mit blassen Konturen versehen, die in der endlos wirkenden Match-Schlange auf Priorisierung wartet. Wie jeder. Bei wem anders. Und alle irgendwo.

(Mensch, schön geschrieben.)

Liegt die Gleichgültigkeit erst einmal vor, bildet dies den optimalen Ausgangspunkt der nächsten Down-Side der Online Apps, der

Respektlosigkeit.

Yes, exakt.

Die schönen Themen häufen sich hier geradezu. Schön.

Ich schätze allerdings, dass alle von Euch, die bereits mit einer Dating App Erfahrungen sammeln durften, diesen Punkt leise bejahen.

Oh ja.

Wie wahr.

Respektlosigkeit kann sich auf verschiedene Arten und Weisen äußern. Durch maximal uncharmante Kommunikationsstarter. Unerwartetes Löschen des Matches. Unnötig undurchdachtes Verhalten während eines Treffens. Viel zu kurzfristigen Absagen. No-Shows. Plötzliches Verschwinden während eines Dates Ich geh nur kurz für kleine Jungs. Respektlose Kommentare. Heimliche Nacktaufnahmen. Und und und. PLUS: Online Dating bietet das beste Fundament für charakterliche Absurditäten wie Ghosting, Mosting, Submarining und Co.

Famos.

Das Interessante an den Respektlosigkeiten ist jedoch die Tatsache, dass sich die meisten Personen selbst nicht ihres Verhaltens bewusst sind.

Hä, ich bin nur ehrlich und direkt. Mir geht es halt rein ums Körperliche oder Ja, ich habe ihn dann einfach unmatched, irgendwie hatte ich doch keine Lust mehr auf ein Treffen als plakatives Beispiel nach tage- oder wochenlangen Hin-und-her-Schreiben. Wir kennen uns ja eh nicht, wird wohl kaum ein Thema sein.

Oder doch?

Oder Ach, der wird eh noch mit zig anderen zeitgleich schreiben. Ihm wird nicht mal auffallen, dass ich fehle.

Oh doch.

Denn genau das ist der Punkt. Es fällt auf. Es kann jemanden verletzen. Das Ego kränken.

Und, Bonus: Es kann im Nachhinein ziemlich peinlich sein.

So richtig.

Story of my life.

Ja, wir kennen uns schon. Wir hatten mal ein Match auf Tinder. Deine Augen vergess’ ich nicht so schnell. Hatte mich damals total über unser Match gefreut und dich angeschrieben aber du hast mich daraufhin direkt gelöscht.

Ein Typ.

Zu mir.

Auf der kleinen, privaten Party eines meiner besten Freunde.

Ich sag’s Euch: Peinlich! Und zudem: Großes Learning. Denn, so wie er wirkte, hatte ihn das plötzliche Fehlen meines Namens in der Nachrichtenliste ein wenig aus dem Konzept geworfen. Und sein Ego gleich mit.

Aber es ist doch nur online.

Eben nicht.

Klar ist die Kontaktaufnahme rein online, aber auch die Kündigungsmail an den Chef wird online verschickt und reicht dennoch weiter als rein online suggeriert.

Drum seid schön lieb zueinander. Keiner hat es verdient, respektlos behandelt zu werden. Zudem trifft es oftmals die Falschen – und damit direkt zum nächsten Punkt, dem

Domino-Effekt.

Der Domino-Effekt kennzeichnet in dieser Aufführung die Domino-umfall-ähnliche Weitergabe des schlechten Verhaltens, das einem selber widerfahren ist, an andere.

Denn: Es sind ja eh alle Männer gleich (blöd).

Warum? Na, weil man enttäuscht, verletzt, frustriert, traurig oder verärgert ist. Punkt.

Wenn einen eine Person unerwünscht behandelt, projiziert man dessen Verhalten und herausinterpretierte Charaktereigenschaften folglich auf die nächste Person und lässt seinen Frust an dieser aus.

Auf Deutsch?

Max schreibt mit Lisa. Max schreibt Lisa nicht mehr zurück. Lisa ist frustriert. Sie schreibt mit Jan. Um sich abzulenken. Ist aber desinteressiert. Weil sie will ja Max. Max löscht sie. Lisa ist sauer. Und frustriert. Sie löscht Jan.

Lest den letzten Absatz nun noch einmal und tauscht Max gegen Jan, Lisa gegen Lara und Jan gegen Greg. Und und und.

Stumpfes Beispiel?

Offensichtlich. Aber es geht ja um die Message.

Been there done that? Ja – ich auch. Nicht exakt gleich, aber eben ähnlich.

Uncool? Ziemlich.

Unnötig? Klar.

In dem Moment plausibel? Allemal.

Aber so ist es leider. Man stumpft ab. Man wird gleichgültig. Man sieht ein Match vermehrt als Zahl ohne Bedeutung, die ähnlich-klingende Nachrichten schreibt und einen doch irgendwie nicht so richtig reizt. Man wird respektlos – wie auch immer ein jeder dieses definiert – und, frustriert.

Dating ist tough.

Fühlt ihr Euch nun alle richtig aufgebaut? Ich bin noch nicht ganz fertig. Ein Punkt fehlt noch der

Druck.

Pressure. Is. On.

Hochdruck.

Es muss gut werden.

Ich hoffe, es lohnt sich.

Wird er da sein?

Wie sieht er wohl aus?

Wie groß ist er eigentlich?

Das eine Foto war schon etwas komisch.

Was mache ich hier eigentlich?

Sieht er gut aus?

Ist er heiß?

Riecht er gut?

Ist er witzig?

Könnte ich mir vorstellen, ihn zu heiraten?

Halt. Stopp.

Ja, exakt. Pressure’s on. Auf Hochdruck.

Denn, es ist kein sich-easy-auf-der-Arbeit-oder-durch-Freunde-Kennenlernen und langsames Näherkommen.

Stattdessen: Vollgas! Jetzt, oder nie.

Wie entspannt.

Ironie.

Naja, was soll’s.

Ich habe mal gelesen, dass man jemanden mindestens drei Mal treffen sollte. Egal, wie schlecht das erste Date verlief. Denn, vielleicht hatte man keinen guten Tag, war nervös, nicht man selbst, …

Is’ klar.

Drei Mal.

Nö.

Sicher nicht. Schließlich müssten beide Lust darauf haben und seien wir ehrlich, die Wahrscheinlichkeit ist selbst nach einem 100 Punkte Date nicht allzu groß. Es warten ja noch so viele andere, warum sich also festlegen? Na also. Es zählt folglich der einzige Eindruck. Nicht nur der Erste, sondern höchstwahrscheinlich auch der Einzige.

Ich weiß, dass ich ein großer Verfechter und Liebhaber des Online Datings bin. Keine Frage. Aber dieser letzte Punkt ist für mich persönlich schwer zu ignorieren. Vor allem, da ich viel Zeit brauche, eine Person kennen zu lernen. Lieben zu lernen. Die Kleinheiten und Feinheiten. Ich muss die Person mögen, so richtig mögen. Liebhaben. Den Charakter unterstreichen. Mir sicher sein, dass er nett zu Freunden und Unbekannten ist. Dass er einfach den Charaktereigenschaften entspricht, die mir persönlich wichtig sind. Dass er den gleichen Humor hat und auch mit anderen Leuten um mich herum witzig ist. Nicht nur one-on-one im Scheinwerferlicht der billigen Kerze in einer Bar. Einmal alle zwei Wochen.

Nö, so eher nicht.

Aber was soll’s?

Nicht jeder hat das Glück, jemand Interessantes im Freundes- oder Bekanntenkreis, beim Sport, auf der Arbeit, einer privaten Party oder sonst wo easy-flow kennenzulernen.

Oder etwa doch? Wenn man nur die Augen offen hält?

Give it a try.

Und sei bitte nett dabei.

Deine,
B.

Love & Dating

Startup & Co.

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